03. September 2010
Medical Tribune Medizin Medien Austria
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Interkulturelle Vorsorgekampagne
Der Blutdruck-Wahnsinn

WIEN – Eine effiziente Blutdrucktherapie lebt von der Compliance des Patienten und daher von der Güte der Aufklärung. Sprachliche und kulturelle Barrieren verkomplizieren die Arzt- Patient-Beziehung und verhindern oft den therapeutischen Erfolg. Eine Aufklärungskampagne der anderen Art bedient sich eines Mittels, das kulturübergreifend verstanden wird: Humor.

„Seit über 40 Jahren bekommen wir Ärzte die Botschaft nicht hinüber: Eine effiziente Blutdruckeinstellung ist eine Conditio sine qua non in der Verhinderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, weiß Univ.-Prof. Dr. Dieter Magometschnigg aus eigener Erfahrung. „In Rehabilitationszentren funktioniert die Therapie optimal.“ Offensichtlich handelt es sich daher um ein gesellschaftliches und ein kommunikatives Problem. Dem will er nun mit einer neuartigen Strategie begegnen: Humor.

„Denn von Humor getragene Gesundheitsbotschaften werden eher gehört“, sagt sein Mitstreiter Prof. Bernhard Ludwig, der sich als Kabarettist („Anleitung zum Herzinfarkt“ und „Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit“) mit der Wirkung von Humor auskennt. Seine Erfahrung als Seminarleiter verhaltenstherapeutischer Änderungsprogramme für Herz-Kreislauf-Risikopatienten und seine ausgezeichnete Arbeit als Künstler speisen das Projekt „Anleitung zum Blutdruck-Wahnsinn“. Dieses richtet sich vor allem an Migranten, da unterschiedliche kulturelle Wurzeln und die Sprachbarriere eine effektive Prävention meist erschweren.

Prof. Magometschnigg: „Die bisher angewandten Präventionsstrategien sind bestenfalls für eine kleine elitäre Oberschicht umsetzbar. Für die wirksame Prävention, die in der Breite wirkt, brauchen wir neue Konzepte.“

Diese Breitenwirkung soll über ein Comic erreicht werden, das es in türkischer und deutscher Sprache gibt; es folgen auch Übersetzungen in weitere Sprachen. In ihm werden wichtige Gesundheitsbotschaften zu witzigen Pointen karikiert und gleichzeitig erfahren Patienten, dass Rauchen, falsche Essgewohnheiten und Blutdruckeinstellung „in Folge zu den wichtigsten Todesursachen gehören“, so Prof. Magometschnigg.

„Bilder sagen mehr als 1000 Worte. So tragen wir wichtige Gesundheitsbotschaften leicht verdaulich an Laien heran.“

Die Botschaften des Comics:

  • Wer so lebt, wie alle leben, bekommt, wenn die Gene passen, einen Hochdruck, der nach Jahren katastrophale Folgen hat. Entdecken können die Träger, die sich gesund fühlen, die Bedrohung nur durch Kontrollen.
  • Blutdruckmessen ist nicht schwierig, die Bewertung der unterschiedlichen Messwerte schon eher: So beurteile ich meine Messwerte richtig.
  • Meine Werte sind zu hoch, was tun? Für jeden Patienten lässt sich gemeinsam mit dem Arzt eine optimale Lösung finden.
JoB

Das Comic wird durch die Fa. Menarini verteilt und kann unter office@menarini-pharma.at angefordert

Das Comic wird durch die Fa. Menarini verteilt und kann unter <a href=
Bilder sagen mehr als 1000 Worte: Hier ein Ausschnitt aus dem Comic „Anleitung zum Blutdruck-Wahnsinn“. Humor befördert Gesundheitsbotschaften auch über interkulturelle Barrieren hinweg.

Diabetes
Probleme mit der Sprache

WIEN – Einer der Arbeitsschwerpunkte der Österreichischen Diabetes Gesellschaft in den kommenden zwei Jahren soll die Verbesserung der Diabetesbetreuung von Patienten mit Migrationshintergrund sein. Wie groß dieses Problem ist, zeigen erste Untersuchungsergebnisse aus der Arbeitsgruppe.

Vergleicht man Patienten mit Migrationshintergrund mit einheimischen Patienten, zeigen sich schon in der Diagnosestellung große Unterschiede. Bei österreichischen Diabetikern wird die Krankheit zu 60 % bei Routineuntersuchungen festgestellt und nur zu 40 % infolge anderer gesundheitlicher Probleme.

Anders bei Migranten: Nur bei 20 % von ihnen wird Diabetes in Routineuntersuchungen diagnostiziert, während bei 80 % die Krankheit erst infolge gesundheitlicher Probleme erkannt wird.

Der Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG), Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik, dazu: „Das bedeutet, dass ihre Krankheit zum Diagnosezeitpunkt meist wesentlich weiter fortgeschritten ist.“

Auch die Betreuung eingewanderter Diabetiker gestaltet sich schwieriger: „Eine Diabetesdiagnose ist für die Patienten meist mit einer Umstellung ihrer Lebensgewohnheiten und ihrer Esskultur verbunden. Aus verschiedenen Gründen fallen diese Umstellungen den Migranten meist schwerer“, so der Präsident. Untersuchungsergebnissen zufolge sind Migranten weniger gut über die Zusammenhänge zwischen Übergewicht, Ernährung, Alter, familiärer Disposition und Pathogenese von Diabetes informiert.

Um diesen Problemen aktiv zu begegnen, unterstützt die ÖDG im Jahr 2008 ein Pilotprojekt zur Diabetesschulung von Migrantinnen mit Gestationsdiabetes. Sie werden an der 5. Medizinischen Abteilung im Wiener Wilhelminenspital in ihrer Muttersprache geschult.

„Bereits zum jetzigen Zeitpunkt zeigt das Projekt den großen Handlungsbedarf, um Migranten die qualitativ gleiche medizinische Versorgung zu bieten wie anderen“, sagt Abteilungsleiter Prim. Univ.- Doz. Dr. Peter Fasching, zugleich auch Vorsitzender des Ausschusses „Gender & MigrantInnen“ der ÖDG.

Für Prof. Ludvik ist der Nutzen vielfältig: „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der Befassung dieses Themas wesentliche Verbesserungen in unserer gesamtmedizinischen Versorgung erzielen werden, nicht zuletzt auch in sozialer, kultureller und ökonomischer Hinsicht.“ JoB


© MMA, Medical Tribune • 40. Jahrgang • Nr. 17/2008
Prof. Bernhard Ludwig
Prof. Bernhard Ludwig